Sie sind hier: Startseite » Aktuell

Aktuelles

Sonntag, 16.12.2018 12:00-16:00 Uhr

Wanderung WDR 5 "Neugier genügt"
Ein letzter Blick! Prosper-Haniel in Bottrop macht dicht
Am 21. Dezember 2018 ist für den Steinkohlenbergbau im "Ruhrpott" für immer "Schicht im Schacht". Dieses Ereignis fordert einen symbolischen letzten Blick auf die über 160-jährige Industriegeschichte geradezu heraus.
Die Wanderung führt auf die nahe gelegene Halde "Beckstraße" mit dem Tetraeder, einem weithin sichtbaren Wahrzeichen der Region. Er bietet als "Haldenereignis Emscherblick" eine beeindruckende Perspektive auf die umliegenden Industrierelikte.
Start- und Zielpunkt für die Wanderung ist der historische Malakoffturm, der ehemalige Förderturm des Bergwerks Prosper II. Auf dieser Wanderung verschmelzen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einer ganzen Region und werden gleichsam erlebbar.
Veranstalter: LNU, Historische Gesellschaft Bottrop, Biologische Station Westl. Ruhrgebiet
Leitung: Hans Jürgen Fey
ÖPNV: Bottrop Hbf ab 11.34 Uhr mit Anruf-Sammel-Taxi 294 (Tel. 02366-186186 Voranmeldung mind. 30 Min.) bis Malakoffturm
PKW: A2 bis Ausfahrt Essen/Gladbeck auf B224 Richtung Essen, an der vierten Kreuzung rechts abbiegen in die Prosperstr.
Treffpunkt: Malakoffturm, Zeche Prosper II, Knappenstr.32, 46238 Bottrop
Anmeldung erforderlich:
02932 4201 oder lnu.nrw@t-online.de
Kosten werden je nach Aufwand berechnet: In der Regel zwischen 3 und 10 Euro pro Person, bei Buseinsatz auch höher.
Mehr Infos und aktuelle Hinweise ...

Rekonstruktion einer historischen Wiese

Entwicklung einer artenreichen Glatthaferwiese am Auberg in Mülheim an der Ruhr – LVR-Projekt

Artenreiche, bunte Wiesen mit einer typischen Zusammensetzung an Gräsern und Beikräutern sind nicht nur im Ruhrgebiet extrem selten geworden, sondern landesweit bedroht. Dabei ist gerade das Vorhadensein von solchem Grünland eine wesentliche Grundlage für die Biodiversität einer Region, sowohl im Bereich der Pflanzen, als auch für eine Vielzahl von Tieren, z. B. Insekten.

Der Auberg im Süden von Mülheim an der Ruhr ist ein ehemaliger Truppenübungsplatz, der sich heute im Besitz des Regionalverbands Ruhr befindet und größtenteils als NSG ausgewiesen ist. Das Gebiet ist hauptsächlich durch Grünland geprägt, welches sehr gut durch die Biologische Station untersucht ist. Am Auberg befinden sich einige überregional außerordentlich wertvolle und artenreiche Feuchtwiesen, unter anderem die Orchideenwiese. Das trockene Grünland hingegen ist trotz verschiedener Maßnahmen und Auflagen relativ artenarm. Obwohl die Standortbedingungen geeignet sind, ist offensichtlich keine entsprechende Samenbank mehr existient, aus der die Grünlandkräuter reaktiviert werden könnten. Hier greift das vorliegende Projekt.

In einen ersten Schritt sollen Literaturquellen ausgewertet werden, aus denen hervorgeht, welche Pflanzen ehemals in den Wiesen am Auberg und in der näheren Umgebung vorhanden waren. Es wird eine Artenliste erstellt, die einen gut belegten historischen Zustand des lokalen Grünlandes wiedergibt. Basierend auf dieser Liste wird im zweiten Schritt eine Saatgutmischung aus Regiosaatgut zusammengestellt, die auf einer ausgewählten, geeigneten Wiese durch einen ansässigen Landwirt eingesät werden. Die Fläche wird daraufhin zukünftig naturschutzkonform gepflegt und die Bestandentwicklung durch ein wissenschaftliches Monitoring.

01.09-02.09.2018 NRW-Tag in Essen

Das Thema „Industrienatur“ fand aber auch offene Ohren auch auf politscher Seite. Für uns sehr erfreulich war, dass die neue Umweltministerin Ursula Heinen-Esser unseren Stand besucht hat und sich deutlich mehr Zeit genommen hat, als erwartet. Später kam sie dann noch mit unserem Ministerpräsidenten Armin Laschet und Oberbürgermeister Thomas Kufen zurück zu unserem Stand. Das große Interesse auch auf Seiten der Landesregierung erfüllt uns mit Stolz.

August 2017 Neue Veröffentlichung

Eine neue Veröffentlichung des Bundesamtes für Naturschutz berichtet über Erfahrungen in der Umweltbildung mit Menschen mit Migrationshintergrund. Wir stellen dort unser vom LVR gefördertes Schulprojekt „Lernen ohne Grenzen“ vor:
Schneider, K. & Keil, P. (2018) Lernen ohne Grenzen – Umweltbildung für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund im westlichen Ruhrgebiet. – In: Hein, G; Hövelmann, Th.; Linnemann, B.; Menke, M.; Wichert F. & Wiersbinski, N. (Hrsg.): Naturschutz: einladend – sozial – integrativ. Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund und Flüchtling. – BFN-Skripten 499: 53-60.
Skript 499 online abrufen ...

09.08.2018 Fledermausschutz im Grafenbusch

Bohren von Höhlenbäumen

Im Grafenbusch in Oberhausen mussten für den Ausbau der Bahnlinie (Betuwe) einige Bäume gefällt werden. Für die Fledermäuse, die dort möglicherweise ihre Quartiere verloren haben, werden derzeit Ersatzquartiere eingerichtet. Die BSWR hat dieses Projekt gemeinsam mit dem Flächeneigentümer RVR geplant und dieser setzt es jetzt um. Im Juni wurden mehrere Modelle von Fledermauskästen im Wald aufgehängt, um kurzfristig Quartiere anbieten zu können. Auf die lange Sicht benötigen die waldbewohnenden Arten aber auch wieder mehr echte Baumhöhlen. Da der Wald in diesem Bereich zu großen Teilen aus rund 70 Jahre alten Roteichen besteht, ist jedoch mittelfristig nicht mit der Bildung von Naturhöhlen zu rechnen. Um deren Bildung zu beschleunigen, werden in einigen, ausgesuchten Bäumen Initalbohrungen für Höhlen angelegt (s. Foto). Die BSWR wird über die Jahre hinweg verfolgen, wie sich diese Höhlen im Holz entwickeln und ob und wie die Fledermäuse sie besuchen. Ähnliche Bohrungen zeigten u.a. in Hessen gute Erfolge, wobei es sich dort um weit ältere Bäume handelte. Es bleibt zu beobachten, ob das vielversprechende Konzept auch für so junge Waldbestände geeignet ist.

Ferienaktion für Kinder

Herbstferien auf Ripshorst
Die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet e.V. begrüßt vom 15. bis 19. Oktober Kinder von 8 bis 12 Jahren. In der Zeit von 8.30 bis 13.00 Uhr erhalten die Ferienkinder einen Einblick in die Tier- und Pflanzenwelt im Ruhrgebiet und die Aufgaben der Biologischen Station. Die Teilnehmerzahl ist auf 10 Kinder begrenzt (Mindestteilnehmerzahl 5 Kinder) und es wird ein Kostenbeitrag für die gesamte Woche von 85 Euro erhoben. Dabei wird in der Natur geforscht, bestimmt, gepflegt, geerntet, erfasst, gebastelt und gespielt.

Anmeldung ab sofort bis zum 10. Oktober 2018 unter verena.niehuis@bswr.de

09.07.2018 Platz für Spatz und Co

n unserer modernen Welt haben es Vögel und Fledermäuse, die in und an Gebäuden brüten, hier ihre Wochenstuben einrichten oder einfach nur Unterschlupf finden, schwer. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert die Beratung zu Artenschutzmaßnahmen bei Bau- und Sanierungsvorhaben in der Metropolregion Ruhrgebiet. Mit finanzieller Unterstützung der HIT Umwelt- und Naturschutzstiftungs-GmbH haben die Biologische Station Umweltzentrum Hagen, die Biologische Station Östliches Ruhrgebiet und die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet eine Broschüre gedruckt, die darüber informiert, wie bei Bau- und Sanierungsvorhaben den Tieren geholfen werden kann. Natürlich beraten die Stationen auch persönlich in solchen Fällen.

Die Broschüren sind kostenfrei in den drei Stationen erhältlich.

09.07.2018 Biotopverbundaustellung

Biotopverbund-Ausstellung DU-Eyecatcher

Für viele Stadtmenschen ist der Teich im Garten gleichzusetzen mit dem Begriff „Biotop“. Dabei sind Wälder, Seen, Bäche, Flüsse und sogar ehemalige Industrieflächen, der Straßenrand oder auch Mauern ebenfalls Biotope. Was aber genau ist eigentlich ein Biotop? Und was ist ein Biotopverbund?

Die als Wanderausstellung konzipierte Präsentation „Biotopverbund in Duisburg“ soll vom 09.07.-21.08.2018 in der Königsgalerie Duisburg diese Fragen klären und den neugierigen und interessierten Bürger Duisburgs dazu anregen, selber etwas zum Biotopverbund beizutragen. Hierfür werden verschiedene Biotope und ihre Tier- und Pflanzenwelt vorgestellt und Beispiele aus dem Duisburger Stadtgebiet für wichtige Elemente im Verbundsystem der Biotope gegeben. Hier werden z.B. der Biegerhofpark oder der Toeppersee als bedeutsame Trittsteine dargestellt. Tipps und Spielregeln etwa zum naturverträglichen Verhalten in Schutzgebieten oder Hilfen bei der naturnahen Gestaltung des eigenen Hausgartens fordern den Besucher der Ausstellung zum Nachdenken über sein eigenes Verhalten heraus und ermöglichen ihm auch, gezielt einen Beitrag zum Erhalt und zur Verbesserung des Biotopverbundes zu leisten.
Die Ausstellung zum „Biotopverbund in Duisburg“ wurde in einem Gemeinschaftsprojekt der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet, dem Umweltamt der Stadt Duisburg und der Bürgerstiftung Duisburg entwickelt. Als Auftaktort der Wiederausstellung nach der Erstpräsentation im Jahr 2011 wurde die Königsgalerie in zentraler Lage gewählt. Im Anschluss sind Ausstellungen in von der Öffentlichkeit frequentierten Standorten in den Stadtteilen geplant.

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 09:30 Uhr bis 20:00 Uhr

06.07.2018 Jahresbericht 2017

Der Jahresbericht für das Jahr 2017 ist bereits der 15. Band. Auf mehr als 120 Seiten sind hier die Projekte und Tätigkeiten der BSWR zusammengefasst. hier ...

01.07.2018 Neue Publikation

Scholz, T.; Keil, P.; Schmitt, T. (2018) Nährstoff und Wasserverfügbarkeit von Sukzessionsstadien auf Industriebrachen – Eine Fallstudie im Landschaftspark Duisburg-Nord. – Decheniana (Bonn) 171: 24-37.
hier online abrufbar ...

20.03.2018 Reptilien in Essen

Blindschleiche

Eine Zusammenstellung der Reptilienfunde in der Stadt Essen wurde hier für eine kleine Publikation ausgewertet. Unter den Online-Publikationen ist der Text als pdf abrufbar ... [1.106 KB]

07.03.2018 Wolf bestätigt

Nachdem wir bereits vor einigen Tagen das Video gesehen haben und das Tier, dass man kurz sehen kann, als Wolf angesprochen haben, wurde es seitens des Umweltamtes der Stadt Duisburg an das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) geschickt. Von dort kam die Bestätigung:

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) bestätigt, dass am 24. Februar 2018 einen Wolf im Hünxer Wald (Kreis Wesel) gesichtet und fotografiert und am 26. Februar 2018 ein Wolf in der Walsumer Rheinaue (kreisfreie Stadt Duisburg), von einer Wildkamera abgelichtet wurde. Die Einschätzung, dass die Bilder jeweils einen Wolf zeigen, wurde von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) bestätigt. Beide Beobachtungsorte wurden von den zuständigen Wolfsberatern bestätigt.
Angaben zur Herkunft des Tieres, zum Alter oder Geschlecht können anhand der Sichtung und der Bilder nicht gemacht werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um dasselbe Tier.
Ob ein Wolf nur auf der Durchreise ist oder sich längere Zeit in einer Region aufhalten wird, kann nicht vorhergesagt werden. Wölfe sind ausdauernde Läufer und können pro Nacht bis zu 40 km zurücklegen.

Das Video ist inzwischen auch auf Facebook zu sehen ...

Beim Landesumweltamt (LANUV) können Hinweise auf Wölfe unter der Telefonnummer 02361-305-0 gemeldet werden. Außerhalb der Geschäftszeiten und am Wochenende in der Nachrichtenbereitschaftszentrale des LANUV: 0201-714488.
Weitere Angaben zum Wolfsmanagement in Nordrhein-Westfalen (Verbreitungskarte, Luchs- und Wolfsberater in NRW, Förderrichtlinien Wolf NRW) gibt es im Internetangebot des LANUV:
Der Wolf in NRW
Informationen zum bundesweiten Monitoringstandard, der auch in NRW angewendet wird, gibt es bei der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW):
DBBW/Wolfsmonitoring
Mehr zum Senckenberg Forschungsinstitut, das im Auftrag von Bundes- und Landesbehörden als "Nationales Referenzzentrum für genetische Untersuchungen bei Luchs und Wolf“ genetische Proben aus ganz Deutschland untersucht.
Senckenberg Forschungsinstitut

09.02.2018 BSWR auf Facebook

Die BSWR hat sich entschieden jetzt auch auf Facebook Termine und Neuigkeiten zu posten ...
https://www.facebook.com/BiostationWR/

28.01.2018 14. Flora-Fauna-Tag

auf Zollverein

Der 14. Flora-Fauna Tag fand wie im Vorjahr in Halle 2 auf Zeche Zollverein in Essen statt. Die über 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus amtlichem und ehrenamtlichem Naturschutz, Studierende und sonstige Interessierte hörten verschiedene Vorträge aus den Bereichen Flora und Fauna zu Kartierergebnissen, Neunachweisen und Maßnahmen im Ruhrgebiet. Außerdem boten die Pausen reichlich Gelegenheit zum interdisziplinären Austausch, zur Knüpfung neuer Kontakte und Initiierung zukünftiger Projekte.

24.01.2018 Seltener Gast im Ruhrgebiet

Eistaucher

Foto: Uwe Van Hoorn, 24.01.2018

„Ornithologischer Leckerbissen“ auf dem Baldeneysee

Seetaucher sind im nordrhein-westfälischen Binnenland kein alltäglicher Anblick und erzeugen immer Aufmerksamkeit unter den lokalen Ornithologen. So war bereits die Meldung eines Prachttauchers am 19.1.18 auf der Plattform www.ornitho.de für das Ruhrgebiet eine „kleine Sensation“ und animierte mehrere Beobachter am letzten Wochenende zu einer zunächst ergebnislosen Nachsuche. Am Mittwoch den 24.1.18 war der Essener Ornithologe Robert Oades jedoch letztlich erfolgreicher als erwartet. Denn statt eines Prachttauchers hatte er am Nordufer auf Höhe des Restaurants „Fährmann am See“ plötzlich einen viel selteneren Eistaucher vor sich. Dies ist der erste Nachweis im Ruhrgebiet seit 1986. Damals hielt sich vom 30.11.-17.12. ein diesjähriges Individuum ebenfalls auf dem Baldeneysee auf (H. Demuth, H. Schulte, W Jaeger, R. Müller, M. Woike u.v.a. im Sammelbericht des Bundesseltenheitenausschusses 1989). Auch wenn vorstellbar ist, dass am 19.1. ein anderer Seetaucher beobachtet wurde, spricht die Wahrscheinlichkeit doch dafür, dass auch dieses Tier bereits der Eistaucher gewesen ist, der allerdings auf Grund ungünstiger Beobachtungsbedingungen nicht als solcher erkannt wurde. Derzeit laufen noch Rücksprachen mit dem Erstbeobachter, ob es sich nicht wahrscheinlich doch um ein und dasselbe Individuum handeln könnte.
Die Brutgebiete des Eistauchers erstrecken sich im nördlichen Nordamerika bis zur Arktis und liegen in den Küstenbereichen Grönlands sowie auf Island. Die grönländischen und isländischen Vögel überwintern in den Küstengewässern vor Island, Großbritannien, Irland, Norwegen und Dänemark. Aus Nordrhein-Westfalen liegen zwischen 1872 und 2016 bisher mindestens 56 Nachweise vor. Dabei nahm die Anzahl der Beobachtungen nach der Jahrtausendwende deutlich zu, mit seither 25 dokumentierten Nachweisen. Dies lässt sich nicht allein durch besser Optik und Kenntnis erklären, sondern hängt wahrscheinlich mit dem Zuwachs der nordamerikanischen Brutpopulation in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zusammen.

Mülheimer Jahrbuch 2018

Lysichiton americanus 2009

Am 09.12.2017 ist da neue Mülheimer Jahrbuch für 2018 erschienen.
Thorald vom Berg, Peter Keil und Martin Schlüpmann berichten über neue Pflanzen und Tiere – Neobiota – in Mülheim an der Ruhr

Vom Berg, T.; Keil, P.; Schlüpmann, M. (2017): Gebietsfremde Pflanzen und Tiere (Neobiota) in Mülheim an der Ruhr. – Mülheimer Jahrbuch 73: 274-287.
Ein Pdf ist hier verfügbar ...

Umweltbildungsprojekte ...

Die neuen Umweltbildungsprojekte "Lernen ohne Grenzen - Integrativ, Inklusiv", "Klimacampus - Die Umweltdetektive" und "Natur - Licht - Kunst" sind jetzt online.
Auch die Informationen zu den laufenden, aktuellen Projekten wurden erneuert. Und sie finden auch noch etwas zu den vergangenen Projekten.
Wir danken denen, die unsere Drittmittelprojekte finanziell fördern
- Landschaftsverband Rheinland (LVR),
- Stadt Oberhausen,
- Stadt Mülheim an der Ruhr,
- Stadt Duisburg,
- Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (im Projekt Klimacampus),
- Allbau
sowie unseren vielen Stationsfördereren und Projektpartnern.

mehr ...

07.11.2017 Tödliche Gefahr für den Feuersalamander

Eine neue Bedrohung für Schwanzlurche

Im Juli wurde im Stadtwald in Essen ein erkrankter Feuersalamander gefunden, bei dem ein Hautpilz festgestellt wurde. Der Fund bietet Anlass zur Sorge.

Salamander-Chytridpilz: Kenntnisstand

Feuersalamander aus dem Essener Stadtwald

Batrachochytrium dendrobatides
Als in den 1990er Jahren der Rückgang der Amphibien immer offensichtlicher wurde und eine Hautpilz-Erkrankung als ein möglicher Verursacher des weltweiten „amphibian decline“ ausgemacht wurde, änderte sich das rasch. Nicht nur in Fachkreisen auch in den Medien wurde zunehmend berichtet. Der Erreger Batrachochytrium dendrobatides, ein Amphibien-Hautpilz, wurde 1999 beschrieben (Longcore et al. 1999). Er befällt vor allem Froschlurche, ist weltweit verbreitet und tritt auch in ganz Europa auf. Deutlich wurde auch, dass er erst durch menschliches Zutun aus Südafrika weltweit verschleppt wurde. Außerhalb des südlichen Afrikas waren die Amphibien auf diesen neuen Erreger nicht eingestellt und in vielen Regionen, besonders in Teilen Mittel- und Südamerikas und Australiens rafft der Erreger viele Populationen hinweg. Mutmaßlich sind durch ihn auch Arten ausgestorben.
Es war der erste bekannte Fall, bei dem ein neobiotischer Krankheitserreger zu einer Gefahr für Amphibienbestände wurde. Eingeschleppt wurde der Erreger vermutlich überwiegend mit südafrikanischen Krallenfröschen, die als beliebte Labor- und Aquarientiere weltweit gehandelt wurden. Auch in Europa ist der Erreger weit verbreitet. Nachgewiesen ist er bei fast allen daraufhin untersuchten europäischen Amphibien. In Deutschland wurde unter ca. 3000 untersuchten Amphibien eine Prävalenzrate von ca. 10 % nachgewiesen (Ohst et al. 2011). Möglicherweise hat die Erkrankung schon vor Jahrzehnen in den Beständen Tiere hinweggerafft, ohne dass das je aufgefallen ist und untersucht wurde. An einem Krallenfrosch aus dem Jahr 1938 konnte der Erreger tatsächlich noch 70 Jahre später nachgewiesen werden (Weldon et al. 2004).

Batrachochytrium salamandrivorans
Der Salamander-Chytridpilz mit dem Namen Batrachochytrium salamandrivorans wurde erst 2013 wissenschaftlich beschrieben. Er befällt die Haut von Schwanzlurchen, insbesondere des Feuersalamanders. Nach bisherigen Erkenntnissen bedeutet das für fast alle betroffenen Tiere den sicheren Tod (die Mortalitätsrate liegt bei über 96%).
Aufgefallen ist der neue Erreger erst nachdem es zuvor in den Südostniederlanden (Limburg) zu gewaltigen Bestandseinbrüchen beim Feuersalamander gekommen war. Innerhalb weniger Jahre ist er hier fast völlig verschwunden. Auch angrenzend in Belgien und in der Eifel wurde der Hautpilz zwischenzeitlich gefunden. Mit dem Fund 2017 in Essen liegt erstmals ein Befall außerhalb des bisherigen Areals Südlimburg/Belgien/Eifel vor.
Der Erreger wurde besonders an ostasiatischen Molchen festgestellt, die nicht unbedingt alle erkranken. In Ostasien ist er in Molchpopulationen inzwischen auch im Freiland nachgewiesen. Es wird daher angenommen, dass er durch asiatische Molche nach Europa eingeschleppt wurde. Insbesondere, die in der Terraristik und Aquaristik sehr beliebten Feuerbauchmolche und einige weitere Arten, die hier seit vielen Jahrzehnten gehandelt werden, sind mögliche Vektoren. Für die hiesigen Schwanzlurche ist er ein neuer Erreger und resistente Tiere sind offenbar sehr selten. Neben Feuersalamandern werden auch die anderen heimischen Schwanzlurche von dem Hautpilz befallen.
Angesichts der hohen Mortalitätsrate bei Feuersalamandern von annähernd 100% muss mit gewaltigen Bestandseinbrüchen und z. T. auch Totalverlusten von Populationen gerechnet werden.

Salamander-Chytridpilz: Erste Nachweise in Essen

Befallener Feuersalamander im Essener Stadtwald

Eine neue Bedrohung für Schwanzlurche nun auch im Ruhrgebiet

Im Juli wurde ein erkrankter Feuersalamander im Essener Stadtwald (am Eschenweg) von einer aufmerksamen Anwohnerin gefunden. Zwei Proben von dem Tier wurden parallel an den Universitäten in Braunschweig und Ghent (Belgien) getestet. Beide bestätigen einen Befall mit einem Hautpilz. Inzwischen wurden weitere Tiere der Population positiv getestet.

Bereits ein Jahr zuvor, 2016, wurden in Essen tote Feuersalamander gefunden und von der BSWR eingesammelt. Eine Untersuchung dieser ersten Funde durch die Universität Trier erbrachte kein Ergebnis, doch waren die Rahmenbedingen damals auch sehr viel ungünstiger für eine Untersuchung – die Tiere waren bereits mehrere Tage tot, nur im Kühlschrank gelagert und konnten erst im November der Universität Trier übergeben werden. Vermutlich waren die Tiere tatsächlich bereits Opfer eines beginnenden Seuchenzuges.

Die aktuelle Situation erfordert erhöhte Aufmerksamkeit und wir müssen die Feuersalamander-Populationen in Essen und Umgebung in Zukunft sicher genau im Auge behalten.
Amphibien-Krankheiten – dafür hatte sich lange niemand interessiert. Amphibien werden wirtschaftlich nicht genutzt, so dass weder Veterinärmediziner noch Biologen dieses Thema jemals ernsthaft angingen. Forschunggelder wären dafür kaum zu akquirieren gewesen. Wissenschaftliche Abhandlungen gab es daher kaum und über Jahrzehnte war ein dünnes Büchlein von Reichenbach-Klinke (19) das einzige im deutschsprachigen Raum in dem das dürftige Wissen zusammengefasst wurde.

Salamander-Chytridpilz: Maßnahmen

Hautabstrich an einem Feuersalamander in Essen

Empfehlung
Die einfachen Hygienemaßnahmen sollten für alle im Bereich der Feuersalamander-Lebensräume tätigen Personen verbindlich sein. Die Verwendung einer 4%igen Virkon-S-Lösung (40 g mit Wasser mischen und dann auf einen Liter auffüllen) wird als sehr einfache und wirkungsvolle Methode für alle zwingend empfohlen. Virkon-S kann als Pulver oder in Tablettenform frei im Handel (auch über das Internet) bezogen werden. Zur Anwendung sind durchsichtige(!) Sprühflaschen zu empfehlen. Stiefel, Schuhe und alle verwendeten Materialien sind mit der Lösung einzusprühen. Eine wirksame Lösung ist stets rosa gefärbt. Verliert die Lösung ihre rosa Farbe, ist die Wirksamkeit nicht mehr vorhanden.
Die Feuersalamander sind nur mit Nitrilhandschuhen (keine Latexhandschuhe) anzufassen. Die Handschuhe sind nach einmaligen Gebrauch zu wechseln, die gebrauchten gesondert zu entsorgen.

Laufende oder begonnene Maßnahmen
Probenahme an metamorphosierten Salamandern (und Molchen) durch Mitarbeiter der TU Braunschweig und der Univ. Trier, vor Ort auch durch die BSWR
Monitoring der Populationen durch Erfassung der Larven durch die BSWR
Hygienemaßnahmen durch die in der Sache Tätigen und ihre Helfer

Sofortmaßnahmen
Die UNBs sollten bei Anträgen für Untersuchungen und Tätigkeiten in Feuersalamander-Lebensräumen Befreiungen nur mit der Auflage der Einhaltung von Desinfektionsmaßnahmen erteilen.
Die im Forst tätigen Personen sollten über die Seuche und die notwendigen Hygienemaßnahmen informiert sein.
Die für und in der Natur tätigen Personen (UNB-Mitarbeiter, Forstleute, Biologen, Mitarbeiter von Biostationen) sollten mit guten Beispiel vorangehen und Hygienemaßnahmen durchführen.

Weitere denkbare Maßnahmen
Angesichts der bedrohlichen Situation sucht man händeringend nach weiteren Handlungsmöglichkeiten. Folgende Möglichkeiten werden diskutiert:
- Eine Absperrung betroffener Waldflächen wäre fachlich das sinnvollste um eine unbeabsichtigte Verschleppung von Sporen zu verhindern, scheint aber nicht vermittelbar und unrealistisch im Ruhrgebiet.
- Eine Isolierung von gesunden Tieren in der Natur in abgesperrten Gehegen (Enclosure) zwecks Erhaltung des lokalen Genpools wäre denkbar. Die Möglichkeit Waldflächen wirkungsvoll abzusperren wäre aber schwierig.
- Eine Isolierung von gesunden Tieren in Terrarien zwecks Erhaltung des lokalen Genpools wäre eine weitere Möglichkeit. Viele Fragen zu Räumlichkeiten, Ausstattung und Finanzierung wären zu klären.
- Die Isolierung von erkrankten Tieren in Terrarien in eigenen Quarantäneräumen und ihre Heilung durch Haltung bei ca. 25-26°C ist möglich. Es fehlt derzeit noch an Ideen woher wir solche Räume nehmen und wer das machen könnte. Zudem wann und wo kann man solche Tiere wieder in der Natur aussetzen.
Die wissenschaftliche Organisation und Begleitung solcher Maßnahmen kann die TU Braunschweig in Kooperation mit anderen Partnern übernehmen.

Salamander-Chytridpilz: Weitere Informationen

Internet
BsalEurope - Mitigating Batrachochytrium salamandrivorans in Europe
Artikel in PNAS 2013
Download PNAS 2013
DGHT Handlungsempfehlungen
LANUV: Informationen und Hygieneprotokoll
AK A+R NRW: Vortrag 2016

Publikationen
Longcore, J. E., Pessier, A. P., and Nichols, D. K. (1999): Batrachochytrium dendrobatidis gen. et sp. nov., a chytrid pathogenic to amphibians. – Mycologia 91: 219-227.
Ohst, T.; Gräser, Y.; Mutschmann, F.; Plötner, J. (2011): Neue Erkenntnisse zur Gefährdung europäischer Amphibien durch den Hautpilz Batrachochytrium dendrobatidis. – Zeitschrift für Feldherpetologie 18: 1-17.
Stegen et al. (2017): Drivers of salamander extirpation mediated by Batrachochytrium salamandrivorans. – Nature 544, 353-356
Van Rooij et al. (2017): Efficacy of chemical disinfectants for the containment of the salamander chytrid fungus Batrachochytrium salamandrivorans. – PloS ONE 12 (10): e0186269
Weldon, C.; du Preez, L. H.; Hyatt, A. D.; Muller, R.; Speare, R. (2004): Origin of the amphibian chytrid fungus. – Emerging Infectious Diseases 10: 2100-2105.

Martin Schlüpmann
E-Mail; Tel. 0208 / 46 86 093

Zugriffe heute: 14 - gesamt: 48332.

Letzte Änderung am Dienstag, 20. November 2018 um 10:43:02 Uhr.