27 Der Birkenbestand (Pionierwald)


Dieser Birkenbestand aus dem Jahre 1954 ist bereits einer der ältesten seiner Art im Hiesfelder Wald. Die Weiß-Birken gehören zu den Waldbaumarten, die in Deutschland lange Zeit waldbaulich vernachlässigt wurden. Allenfalls in der Bewirtschaftung von Niederwäldern zur Brennholzproduktion fanden sie durch ihr starkes Stockausschlagsvermögen Bedeutung.

Birken galten als Sinnbild für „unsaubere Forstwirtschaft" und wurden als „forstliches Unkraut" bekämpft. Seit wenigen Jahren hat diesbezüglich ein Um- und Nachdenken über die waldbauliche Bedeutung und Behandlung der Weiß-Birke eingesetzt. Im Rahmen knapper Kassen wird das frühere „Unkraut" gern zur neuen Waldgeneration herangezogen, weswegen das, am Niederrhein übliche, „Maienschlagen" für Hochzeiten oder Schützenfeste immer seltener wird.

Als wichtige Funktionen sind hervorzuheben:

- Vor Kulturbegründung mit empfindlicheren Wirtschaftsbaumarten übernehmen die Weiß-Birken auf Kahlflächen oder bei gestörten Bodenverhältnissen die wichtige Rolle eines schützenden Vorwaldes.

- Durch Einbeziehung der von Natur aus angesamten Weiß-Birken als Füll- und Treibholz hilft die Baumart, Aufforstungen mit geringeren Pflanzenzahlen zur Verringerung der Kulturkosten zu erstellen.

- Grundsätzlich erhöhen Weiß-Birken die Artenvielfalt und tragen dadurch zur ökologischen und ökonomischen Stabilität der Wirtschaftswälder bei.

- Schließlich ist der Birkenwald auch ein Lebensraum mit charakteristischen Lebensgemeinschaften. Die Ausprägungen hängen von den jeweiligen Boden- und Bodenfeuchte-Verhältnissen ab. Trockene Birkenwaldbereiche beherbergen große Bestände des Adlerfarns, zwischen dem, wenn er optimal entwickelt ist, allenfalls Brombeeren und einzelne Moosarten wachsen, sonst aber kaum krautige Pflanzen zu finden sind. Wird es feuchter, sind die Birkenwälder artenreicher. Nasse Füße vertragen die Weiß-Birken, die im Hiesfelder Wald die Birkenwaldaspekte bilden, allerdings nicht. Sie werden von Moor-Birken ersetzt, die hier in der Regel auch keine reinen Birkenbestände mehr ausbilden, sondern mehr vereinzelt auftreten.

Letzte Änderung am Dienstag, 10. Juli 2018 um 11:58:59 Uhr.

seit dem 25.11.2015

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