40 Die Waldschneise


Überall im Wald gibt es im Laufe eines Bestandeslebens Lichtungen. Im natürlichen Wald sind es die sogenannten Zerfallsphasen, bei denen die alten Baumriesen zusammenfallen, oder von Windbruch geschaffene Auflichtungen und durch Großsäuger offen gehaltene Stellen. Im Forst sind es Eingriffe des Menschen, die zu Auflichtungen oder auch Kahlschlägen führen.

Auf den Lichtungen ist die Bodenvegetation dank des großen Lichtangebotes erheblich dichter und artenreicher als sonst im Wald. So nehmen die Bestände an Adlerfarn, Wald-Weidenröschen, Pfeifengras, Land-Reitgras und vielen anderen, stellenweise auch gefährdeten Arten wie der Blutwurz und das Sumpfreitgras, aber auch von größeren Sträuchern wie Schwarzem Holunder, Faulbaum u.a. zu. Auch viele Tierarten, insbesondere lichtliebende Insekten (z.B. Schmetterlinge) und Reptilien profitieren von der Auflichtung des Waldes.

Beispielsweise finden hier Zitronenfalter, Landkärtchen, Faulbaumbläuling und viele andere Falterarten Lebensraum. In der Pflanzendecke sind die für die Raupen notwendigen Futterpflanzen zu finden. Die Blüten bieten den Schmetterlingen, aber auch Hummeln, Wildbienen und Schwebfliegen Nahrung. Besonnte Lichtungen sind aber auch der Lebensraum von Reptilien, von denen im Hiesfelder Wald noch die Blindschleiche zu finden ist. Andere Arten wie die Kreuzotter sind inzwischen leider ausgestorben, da die bestehenden Lichtungen zu klein sind. Für viele Säugetierarten wie Wildschwein, Rothirsch und Reh werden solche Auflichtungen zur Weide.

Der Buchenwald neigt dazu, jede Lücke durch starkes Seitenwachstum der Zweige zu schließen. Damit sinkt das Nahrungs-angebot im Laufe der Zeit und für das Wild werden daher eigene Wildwiesen angelegt.

Der Waldbesitzer benötigt nicht mit Bäumen bewachsene Flächen als Lagerfläche für Nutzholz oder als Fahrschneise für Rückeschlepper. Diese werden aber nur alle paar Jahre benötigt, so dass sie den Tieren in der Zwischenzeit zur Verfügung stehen. Hier werden die Seitenäste regelmäßig zurückgeschnitten, um Licht auf den Boden zu lassen. Da im Boden genügend Samen von Kräutern und Gräsern verborgen sind, erledigt die Natur die restliche Arbeit von selbst. Natürlich soll dieses „Speisezimmer des Waldes" nicht betreten werden, um die Kräuter, aber auch die Schmetterlinge, Amphibien, Reptilien und Säugetiere zu schützen. Den zusätzlichen Nutzen als Feuerschutzschneise bei Waldbränden wird man dankbar annehmen.

Letzte Änderung am Montag, 24. September 2018 um 17:51:31 Uhr.

seit dem 25.11.2015

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