Historisches

Zur Geschichte des Hiesfelder Waldes*

Der Hiesfelder Wald gehört zu den forstlichen Restbeständen eines ehemals weiten Waldgebietes, das die Landschaft zwischen Lippe und Ruhr prägte.Seit dem Mittelalter war er Teil der ausgedehnten Walsumer Mark und wurde im Rahmen einer Markenordnung nach strengen Regeln genossenschaftlich bewirtschaftet. Die Markgenossen, zu denen die Grafen, später Herzöge von Kleve, dann die preußischen Kurfürsten und Könige als Landesherren, Adelshäuser und Klöster des Umlandes sowie die in der Mark liegenden Siedlungen zählten, waren in verschiedener Weise im Markenwald berechtigt.

Waldweide

Sie entnahmen daraus Bau- und Brennholz, sie nutzten ihn zur Schweinemast auf Eicheln und Eckern, und zudem diente er ihnen zur Viehhude und zum Plaggenstich. Die hohe Jagd vergab der Landsherr an das adelige Haus Gartrop an der Lippe in Erbpacht, doch der Fang der Wildpferde im Hiesfelder Wald blieb sein landesherrliches Privileg, über das eine Urkunde aus dem Jahre 1295 berichtet.
Den Rechten standen entsprechende Pflichten gegenüber. Dazu gehörten vor allem das „Potten der Heister" (Jungpflanzungen), das Ausbessern der Wege, die Teilnahme an Wolfsjagden u. a. m.

In dieser Markgenossenschaft bestimmte die wirtschaftliche Betriebsgröße der Berechtigten, der sogenannten Beerbten, den Umfang ihrer Rechte und Pflichten im Markenwald.
Im 17. Jahrhundert begann der Niedergang dieser Form der Waldnutzung. Es folgte eine Zeit der Niederwaldwirtschaft ohne Umtriebszeit und geordnete Schlageinteilung. Durch ständige Holzentnahme, Viehhude, Plaggenhieb und eine geringe Köhlerei wurden Waldteile zu offener Heide mit verstreut liegenden Beständen an Schlagholz, Strauchwerk und Büschen degradiert.

Konikpferde

Die ursprüngliche, großräumige Waldbedeckung war gegen Ende des 18. Jahrhunderts weitgehend verschwunden. Die Darstellung des Hiesfelder Waldes im Rahmen der „Historischen Ostseits-Rheinischen Forst-Beschreibung" vom Jahre 1781 dokumentiert einen heruntergewirtschafteten, dürftigen Waldbestand.
Mit dem Beginn der Gemeinheitsteilungen, der Allmende, im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, wurde ein beachtlicher Teil des geschundenen Hiesfelder Waldes wieder aufgeforstet. Dadurch wuchs er wieder auf den heutigen Umfang heran. Die Namen einiger Waldreste wie Schlägerheide oder Egerheide weisen noch auf ehemalige holzfreie Heideflächen hin.

Die letzte große Beeinträchtigung erfuhr der Hiesfelder Wald im 20. Jahrhundert während des Zweiten Weltkriegs, als er zu einem umfangreichen Munitionslager hergerichtet wurde. Die zahlreichen Wälle und Mulden der Lagerplätze zeugen noch davon. Zudem waren viele Stämme durch Bombensplitter beschädigt. Schließlich hinterließ der Reparationshieb der Alliierten nach Kriegsende seine sichtbaren Spuren.
Den Beginn der öffentlichen Wertschätzung des Waldes, dem man eine überraschende Unberührtheit bescheinigen kann, markiert die Umwandlung in ein Naturschutzgebiet – dem größten im industriellen Ballungsraum Ruhrgebiet – im Jahre 1957. Seinen besonderen Schutz als naturnaher Wald von europäischer Bedeutung dokumentiert die EU durch die Aufnahme in den Kreis der besonders wertvollen FFH-Gebiete.

Zum Namen des Hiesfelder Waldes

Rotbuchenwald

Die erste Silbe des Namens Hiesfeld geht wohl auf „Heister" = junger Baum, zurück. Damit war aber nicht nur eine bestimmte Baumart – Eiche oder Buche – gemeint, sondern ebenso der Niederwald, die Knüppelholzung, die durch Hiebwirtschaft und Wurzelstockaustrieb in Weidennutzung stand.
Die Endung „feld" bezeichnet im alten Siedlungsnamen keine bebaute Ackerfläche, sondern eine höher gelegene, baumarme Ebene. Somit bezieht sich der Ortsname Hiesfeld auf die Gemarkung, an deren Rand das Dorf entstanden war.

* mit freundlicher Genehmigung von Karl Lange

Einen historischen Text kann man hier nachlesen .....

Letzte Änderung am Dienstag, 21. März 2017 um 10:02:48 Uhr.

seit dem 30.10.2014

Zugriffe heute: 2 - gesamt: 1926.