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Dank an die Melder

Dank an die Melder 2015

Waldbrettspiel

Ein ganz großes Dankeschön für alle Meldungen!

Wir haben für das Fundmeldesystem der BSWR bei den Schmetterlingen über die Saison hinweg wirklich eine Menge an Beobachtungen bekommen, die ich zum Saisonende tabellarisch auswerten werde. Ich werde die Schmetterlingsmeldungen auch in 2016 gerne betreuen, sodass wir mit der Zeit wohl auch artspezifische Aussagen für das Beobachtungsgebiet treffen können.

Einige dieser Meldungen waren sehr spannend, sodass ich sie (nach Rücksprache mit den Meldern) in der einschlägigen Experten-Literatur veröffentlichen werde. Für mich persönlich (der ich mich als trockener Experte bezeichnen würde) war es sehr schön zu sehen, dass die wirklich spannenden Funde zum Teil von Leuten gemacht wurden, die nicht zu diesen Fachkreisen zählen. Es war schon immer so, dass wir vermeintlichen „Experten“ manches nicht mitbekommen, weil wir leider dazu neigen, in unserem Elfenbeinturm zu sitzen. Dies war einer Gründe dafür, weshalb mir das Betreuen der Fundmeldungen Spaß gemacht hat.

Besonders spannend waren 2015 die Meldungen vom Kleinen Sonnenröschen-Bläuling sowie die vom Großen Schillerfalter. Da soll noch mal jemand sagen, bei uns im Gebiet wäre nichts los …!
Diese beiden Arten zeigen uns zwei Dinge klar auf:
- Auch ziemlich spezialisierte Arten, die der eine oder andere „Super-Fachmann“ für die Region eigentlich ausschließen würde, sind noch da. Oder wieder da? Wir wissen es nicht. Der Kleine Sonnenröschen-Bläuling wirkt nicht so, als ob er mal eben so weite Strecke wandert. Vermutlich kann er aber durchaus Distanzen überwinden und so auf einmal dort auftauchen, wo man zuvor seit über 100 Jahren nicht mehr gefunden hat.
- Man ist (auch als Experte) oft geneigt zu sagen, dass eine Art „weg“ ist, weil man sie halt seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. Dabei schaut man evtl. bloß an den falschen Orten! Die Fundstellen des Großen Schillerfalters sucht der ausgemachte Falter-Experte nicht auf, denn sie erscheinen erst einmal „zu normal“, „zu unspannend“. Nun weiß der Große Schillerfalter selbst aber am besten, wo es ihm gut geht; er liest die Bücher ja nicht, die man über ihn schreibt. Umso schöner, dass dieser großartige Schmetterling hier wieder bzw. noch vorkommt. Wie bei so vielen Insektenarten kann eine Art immer vorkommen, aber nie gefunden werden. Die Gründe dafür sind einfach:wenige Beobachter oder zahlenmäßig derart schwache Populationen, dass eine Sichtung fast schon einem Lottogewinn entspricht. Erst wenn Populationen zahlenmäßig zunehmen, wächst auch die Chance, einmal ein Tier der Art zu sehen. Ich vermute, dass dies vor allem beim Großen Schillerfalter der Fall ist.

So schön die Tagfalter-Saison 2015 auch ausgefallen sein mag – die Probleme sind dennoch nicht gelöst. Nach wie vor ist der Einsatz von landwirtschaftlicher Chemie und der Verlust von artenreichen Mager-Standorten ein immenses Problem. Es fehlt uns an vielfältigen Wiesen-Biotopen. Und hier kommen wieder all die Halden und Industriebrachen ins Spiel. Was anno 1900 die Magerwiesen entlang des Rheins gewesen sind, sind anno 2015 Biotope wie der Landschaftspark Nord. Vielleicht müssen wir umdenken? Manche Biotopstrukturen, die uns die Fachbücher immer nennen, kommen nie mehr zurück. Dafür haben wir aber womöglich die Chance, ganz neue Biotope zu schaffen/zu erhalten. Und hier schließt sich der Kreis: wir können die Schmetterlinge nicht gesondert betrachten, denn sie sind ein Teil des Ganzen. Libellen, Vögel, Reptilien, Pilze usw. – alles gehört dazu. Der Artenschutz kann nur dann Erfolg haben, wenn die jeweiligen Fachgruppen und Beobachter einen Austausch aufrecht erhalten.

Wir sind nun schon weit im Herbst. Aber noch fliegen Schmetterlinge. Admiral und C-Falter z. B. können wir, sofern die Witterung mitspielt, noch bis in den Winter hier und da sehen. Bitte meldet weiter, auch wenn die Falter nun stetig abnehmen. In diesem Sinne bedenkt bitte auch, dass zahlreiche Nachtfalterarten gerade jetzt erst aktiv werden. Es handelt sich hierbei um echte „Winter-Falter“. Wer Interesse hat, nach ihnen mal Ausschau zu halten, kann mir gern eine E-Mail schicken – Infos und Tipps folgen umgehend.

In diesem Sinne: allen einen schönen Herbst und einen erträglichen Winter.

Bis dahin

Andreas Bäumler