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Wollhandkrabben

Chinesische Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis)

Wollhandkrabbe


Chinesische Wollhandkrabben (Eriocheir sinensis) sind, der Name zeigt das bereits, bei uns ursprünglich nicht heimisch gewesen. In unseren Flüssen sind sie inzwischen weit verbreitet. Chinesische Wollhandkrabben sind die einzigen Krabben, die wir bei uns in den Flüssen beobachten können. Insofern besteht keine Verwechslungsmöglichkeit. Für die Wollhandkrabbe namengebend sind die dichten Haarpolster an den Scheren. Sie sind besonders für die Männchen typisch, aber auch bei Weibchen und Jungtieren zu finden. Die Laufbeine sind abgeflacht und tragen an den Kanten Borsten. Wollhandkrabben sind als erwachsene Tiere durchaus beeindruckend. Der Rückenpanzer ist 7,5-10 cm breit, die Beine bis zu 20 cm lang. Dabei ereichen sie ein Gewicht von 70 bis 400 g. Männchen und Weibchen sind am Besten an der Bachseite zu unterscheiden. Das Bauchschild ist bei den Männchen schmal, bei den Weibchen dagegen breit.

Wollhandkrabbe

Man beachte die "Wollhände"

Die Wollhandkrabbe lebt natürlicherweise im nordöstlichen China, südwärts etwa bin in die Höhe Taiwans. Mit Balastwasser der Schiffe verschleppt ist jetzt seit mehr als 100 Jahren in West- und Mitteleuropa zu finden. 1912 wurde sie erstmals an der Aller festgestellt. Von den Nordseehäfen aus eroberte sie Elbe, Weser, Ems und Rhein sowie deren Zuflüsse. Etwas später (ab 1929) drang sie von der Ostsee in Oder und Weichsel vor. In der Ostsee wird ihre Verbreitung allerdings nach Osten durch den abnehmenden Salzgehalt beschränkt. Zwar wurden Tieren bereits bis zum Nordende des Baltikums beobachtet, doch fehlt den Tieren hier die Möglichkeit zu erfolgreicher Reproduktion. Lange Zeit hat die Wasserverschmutzung die Bestände bei uns klein gehalten, mit der Wasserreinhaltung haben sie sich aber stark vermehrt.

Wollhandkrabbe

Man beachte die "Wollhände"

Die Tiere sind wie der Aal katadrom, d. h. sie leben als erwachsene Tiere im Süßwasser, wandern aber zur Reproduktion flussabwärts ins Salzwasser. Dabei wurde eine Wanderleistung von bis zu 10 km am Tag beobachtet. Da viele Tiere weitab des Meeres leben kann die Wanderung Wochen und Monate dauern. Die Männchen wandern etwas eher und passen die Weibchen Im Spätsommer im Mündungsbereich zur Paarung ab. Die Weibchen wandern noch weiter abwärts ins Salzwasser. Nur etwa einen Tag nach der Paarung legen sie zwischen einer Viertelmillionen und fas einer Millionen Eier ab, die sie unter dem Bauchschild etwa 4 Monate mit sich tragen und im Brackwasserbereich der Mündung ablegen. Der Lebenszyklus der Adulten endet damit. Weder Männchen noch Weibchen wandern zurück in die Flüsse. Das aber machen die Jungtiere. Dabei dringen sie sehr weit vor, im Rhein bis Basel, in der Elbe bis Prag. Auch in die Schifffahrtkanäle dringt die Art vor. Da die Krabben gut klettern und einige Zeit auch über Land kriechen, werden sie auch von Wehranlagen kaum aufgehalten. Währenddessen wachsen sie zu den stattlichen Krabben heran. Dabei müssen sie ihr Panzerkleid mehrfach abstreifen.

Reste einer Erdkröte

in der Rheinaue Walsum - von Wollhandkrabbe "zerlegt"

Die Krabben graben Wohnhöhlen, nutzen aber auch Steine und Schlamm um sich zu verbergen. Sie sind Allesfresser. Wasserpflanzen, Insekten, Muscheln, Schnecken, und kleine Fische werden gefressen. Tiere werden erbeutet oder als Aas gefressen.

Wollhandkrabbe

Zwar zählt die Kabbe zu den sogenannten Neozoen, Neubürgern im Tierreich und aufgrund ihrer raschen Ausbreitung wird sie zu den „Invasoren“ gerechnet, aber sie ist bei uns inzwischen fest eingebürgert und die Frage, ob sie dazugehört oder nicht kann sich nicht mehr ernsthaft stellen. Bekämpfungsmaßnahmen wären einigermaßen sinnlos. Wie bei allen Neozoen werden aber auch die Schäden in ökologischer und ökonomischer Sicht betrachtet. Ökologisch ist das schwer zu beurteilen, sie hat aber bei starkem Auftreten sicher Einfluß auf die Lebensgemeinschaft des Gewässers. Dass sie andere Arten verdrängt hat ist aber nicht bekannt. Sie dient aber anderseits auch Fischen (Hechten, Aalen, Flussbarschen) und Graureihern als Nahrung. Besonders wenn sich die Krabben häuten sind sie eine leichte Beute. Neben den Beutegreifern werden die Bestände aber auch von Krankheiten (Brandfleckenkrankheit, Krebspest) reduziert. Ökonomisch betrachtet, zerstört die Grabtätigkeit Ufer und mit den Scheren zerschneiden die Tiere Reusen, Netze und Angelschnüre.

Wollhandkrabbe

Im Rhein und in der Ruhr sind Chinesische Wollhandkrabben inzwischen weit verbreitet. Über ihre Dichte, ihr jahreszeitliches Auftreten und ihre genaue Verteilung ist aber wenig bekannt. Wenn Sie Beobachtungen haben, können Sie uns das mitteilen .....

In China werden die Krabben gerne gegessen. Inzwischen gibt es aber auch die erste Farm in den Niederlanden. Und, da die Bestände in China aufgrund der Wasserverschmutzung zurückgegangen sind, werden sie neuerdings in ihre Heimat reimportiert.

Letzte Änderung am Donnerstag, 27. April 2017 um 18:09:23 Uhr.

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