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Gebietsfremde Pflanzen

Gebietsfremde Pflanzen im westlichen Ruhrgebiet

Als gebietsfremde oder nichteinheimische Pflanzenarten werden solche Pflanzenarten bezeichnet, die von Natur aus – also ursprünglich – nicht im westlichen Ruhrgebiet vorkommen würden, sondern durch den Einfluss des Menschen (beabsichtigt oder unbeabsichtigt) eingebracht wurden. Im Nachfolgenden wollen wir einige Besonderheiten bzw. seltenere Vertreter solcher im Vereinsgebiet gebietsfremder Pflanzenarten vorstellen (wird fortlaufend aktualisiert und ergänzt).
Mehr zum Thema, insbesondere zu bekannteren Arten, auf der Internetseite des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) - Neoflora.

Neophytenproblematik im Vereinsgebiet

Einen Beitrag dazu finden Sie hier:
Keil, P. & vom Berg, T. (2001): Neubürger in der Flora von Mülheim an der Ruhr. Stadt Mülheim an der Ruhr, Jahrbuch 2002, S. 221-229 pdf-Datei (700 kB)

Beifußblättrige Ambrosie

Herkulesstaude, Riesen-Bärenklau

Heracleum mantegazzianum

Ursprünglich aus dem Kaukasus, bei uns als Zierpflanze eingebracht, verwildert die Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum) im westlichen Ruhrgebiet seit etwa Anfang der 1970er Jahre. In der Regel gibt es aus naturschutzfachlicher Sicht im westlichen Ruhrgebiet keine Probleme mit der Pflanze! Nur an Schulen, Kindergärten und an Wegen etc. sollte man sie wegen der phototoxischen Wirkung entfernen. Großflächige Bekämpfungsmaßnahmen sind entsprechend nicht notwendig und überwiegend schlicht und einfach „blinder Aktionismus“.

Mehr zum Thema:
Keil, P., Buch, C. & Kricke, R. (2010): Die Herkulesstaude im westlichen Ruhrgebiet. Eine aktuelle Bestandsaufnahme zu Heracleum mantegazzianum. - Natur in NRW 2/2010: 30-34. Ganzes Heft als pdf
Keil, P. & Loos, G. H. (2005): Migration directions and paths of Heracleum mantegazzianum in the Ruhr area (Northrhine-Westphalia, Germany). - In: Justus-Liebig-Univ. Giessen, Division of Landscape Ecology and Landscape Planning, The Ecology and Management of the Giant Alien Heracleum mantegazzianum, Final International Workshop of the `Giant Alien` Project - Programme and Proceedings, p. 33. Gießen. (pdf-Datei).

Praxisleitfaden "Riesenbärenklau" (Broschüre des "Giant Alien Project")

Bitte melden Sie uns Ihre Funde der Herkulesstaude: hier .....

Stellungnahme des Umweltamtes der Stadt Mülheim an der Ruhr in der öffentlichen Umweltausschusssitzung am 19.04.2005:
„Aus Sicht des Umweltamtes breitet sich der seit 1971 erstmals beobachtete Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) entlang von Gewässern und Straßen aus. Das dominante Auftreten der Art ist charakteristisch und sollte per se nicht den Eindruck erwecken, daß die Pflanze gefährlich ist und sich negativ auf schützenswerte Biotope auswirkt. Vielmehr werden bevorzugt bereits von Menschen gestörte Bereiche besiedelt. Die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet verfolgt derzeit die Entwicklung der Bestände im Westlichen Ruhrgebiet sehr genau. Ein flächenhaftes Eingreifen gegen die Bestände ist nicht notwendig und weder naturschutzfachlich noch wirtschaftlich zu rechtfertigen. Die Erfolgsaussichten sind zudem minimal, wie Erfahrungen aus anderen Städten zeigen. Eine Aufklärung über mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen beim Kontakt mit der Pflanze findet auch in Mülheim an der Ruhr regelmäßig in den Medien statt. Im Bereich des MüGa-Geländes entlang des Saarner Auenweges gibt es eine größere Fläche mit Riesenbärenklau, die zweimal pro Jahr heruntergeschnitten wird, bevor die Stauden zur Blüte gelangen, um deren weitere Vermehrung über Samen zu vermeiden. Andere größere Ansammlungen von Riesenbärenklau befinden sich nicht in pflegerischer Verantwortung von Mülheimer Grün und Wald. Sollten Einzelpflanzen entlang von Wegen oder Spielflächen gemeldet oder bei der Pflege vorgefunden werden, besteht die Anweisung, diese zurückzuschneiden."

Gefleckte Wolfsmilch

Euphorbia maculata

Die ursprünglich in Amerika beheimatete Gefleckte Wolfsmilch (Euphorbia maculata) bereite sich in Europa aus. Mit einem Fund von Wilhelm Klawon konnte die Art nun erneut in Oberhausen auf einer Brachfläche am CertrO nachgewiesen wird. Weitere Fundmeldungen der Art werden erbeten .....

Raues Straußgras

Agrostis scabra

Das Raue Straußgras (Agrostis scabra) ist ursprünglich in Nordamerika beheimatet und wurde auf dem Oberhausener Waldteichgelände nachgewiesen. In seiner Heimat gilt es von Alaska bis Mexiko als eine Pionierart auf offenen und halbtrockenen Flächen und bildet einen Bestandteil der Steppenvegetation. Es kommt aber auch an gestörten Standorten wie Straßenrändern häufig vor.
Da vergleichbare Wuchsbedingungen auch auf vielen Industriebrachen im Ruhrgebiet herrschen, findet das Raue Straußgras hier seit einigen Jahren eine neue Ausbreitungsmöglichkeit.

Sparrige Flockenblume

Der ursprünglich aus Südosteuropa und Westasien stammende Korbblüter mit Standort in nährstoffreichen Stauden- und ausdauernden Unkrautfluren findet seit Mitte der 90er Jahre auf Industriebrachen im Ruhrgebiet seine neue Heimat.
Erwähnenswert ist, dass die Sparrige Flockenblume (Centaurea diffusa) im Bereich der Brache Vondern in Oberhausen eine weiße und rosafarbene Blühsippe ausbildet, im Mülheimer Hafengelände wurde ein Exemplar mit rosafarbenen Blüten entdeckt.





Nadelkraut

Die sukkulente Sumpf- und Wasserpflanze Crassula helmsii (Nadelkraut) wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Zierpflanze aus Australien und Neuseeland nach Deutschland eingeführt und konnte 2004 nun erstmalig für das westliche Ruhrgebiet verwildert in einem nährstoffreichen Gewässer in der Duisburger Rheinauen nachgewiesen werden. Obwohl es in NRW wenige Vorkommen dieses Dickblattgewächses gibt, muss man von einer weiteren Ausbreitung ausgehen, da die mehrere cm langen Sprosse durch vegetative Vermehrung große Dominanzbestände bilden können und die Pflanze aufgrund der relativ hohen Salz- und Schwermetalltoleranz einen ökologischen Vorteil gegenüber anderen Sumpf- und Wasserpflanzenarten besitzt.

Crassula helmsii

Schwarzes Bilsenkraut

Hyoscyamus niger

Das Nachtschattengewächs Hyoscyamus niger (Schwarzes Bilsenkraut) wurde schon zur Römerzeit als Kulturpflanze aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland eingeführt und kann daher als kulturbegleitender Archäophyt angesehen werden.
Trotzdem gilt die bis zu 80 cm hoch wüchsige und häufig nur unbeständig auftretende Pflanze als im Bestand rückgängig und wird daher in der Roten Liste NRWs als gefährdet eingestuft.
Alle Pflanzenteile des schwarzen Bilsenkrautes enthalten stark giftige Alkaloide, die auch in der Tollkirsche (Atropa bella-donna) und im Stechapfel (Datura stramonium) vorkommen und früher als Arzneimittel Verwendung fanden oder als halluzinogene Droge missbraucht wurden. Das Foto zeigt ein Vorkommen auf einer Brachfläche in Oberhausen.

Kanariengras

Phalaris canariensis

Das bis zu 1,5 m hochwüchsige Gras Phalaris canariensis (Kanariengras) stammt aus dem Mittelmeergebiet und wird in Ziervogelfuttermischungen verwendet. In der Umgebung von Mülldeponien aber auch in Siedlungsnähe finden sich regelmäßig Exemplare, die sich jedoch nicht dauerhaft halten können und in der Regel nach einer Vegetationsperiode wieder verschwunden sind. Auffallend sind die grün-weiß gestreiften grannenlosen Deckspelzen, durch die diese Art - unverwechselbar - leicht bestimmt werden kann. Die hier dokumentierte Pflanze findet sich in einer ruderalen Hochstaudengesellschaft vor dem Parkplatz bei Haus Ripshorst.

Bürstengras

Polypogon spec.
Das ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammende Polypogon spec. (Bürstengras) wird gelegentlich auch als Zierpflanze bei uns in Gärten kultiviert. Bei spontanen Vorkommen, z. B. an Wegrändern, Pflasterritzen oder auf Brachflächen, ist daher nicht ganz klar zu entscheiden, ob es sich um eine Verwilderung oder um verschleppte Exemplare aus dem Ursprungsareal handelt. Die hier gezeigte Pflanze siedelt im Jahr 2004 mit weiteren wenigen Individuen auf dem sog. „Waldteichgelände“ in Oberhausen.

Polypogon spec. (Bürstengras)

Mähnen-Gerste

Hordeum jubatum

Die salztolerante Adventivpflanze Hordeum jubatum (Mähnen-Gerste) stammt ursprünglich aus Nordamerika und Ostasien und wird ebenso wie Lagurus ovatus bei uns gelegentlich in Gärten kultiviert aber auch als Importbegleiter heute noch eingeschleppt. Vorkommen der Sippe im Ruhrgebiet werden schon von Höppner & Preuß in der „Flora des Westfälisch-Rheinischen Industriegebietes“ von 1926 erwähnt. Die hier dokumentierten Pflanzen finden sich auf dem sog. „Waldteichgelände“ in Oberhausen.

Hordeum jubatum

Amerikanischer Riesenaronstab

Lysichiton americanus Hultén & St. John (Araceae)

Lysichiton americanus Hultén & St. John (Araceae)

Erstnachweis von Verwilderungen von Lysichiton americanus (Amerikanischer Riesenaronstab) aus Nordamerika in Nordrhein-Westfalen im Duisburg-Mülheimer Wald.
Weitergehende Informationen hier .....
Veröffentlichung zum Thema als Pdf hier laden ..... [3.007 KB]

Lysichiton americanus 2009

April 2009: Amerikanische Scheinkalla im Bestand seit 7 Jahren stabil
Die Bestände der Amerikanische Scheinkalla (Lysichiton americanus) im westlichen Ruhrgebiet, die im Jahr 2002 von Renate Fuchs (Univ. Bochum) entdeckt wurden, sind seit dem stabil.
Regelmäßige Kontrollen haben innerhalb der letzten Jahre keine nennenswerten Bestandsveränderungen gezeigt. Damit hat sich das Konzept der BSWR bestätigt, nicht in vorschnellem „Aktionismus“ die vermeintlich invasive Art zu bekämpfen, sondern vielmehr das Verhalten zu beobachten, um bei (aus naturschutzfachlicher Sicht) negativen Auswirkungen einschreiten zu können.

Beitrag zur Situation der Art aus dem Jahr 2003 als Pdf hier laden ..... [3.007 KB]

Rauhblatt

Trachystemon orientalis

Die auch als „Abraham-Issac-Jacob“ bezeichnete Pflanze Trachystemon orientalis (Rauhblatt) aus der Familie der Boraginaceae wurde im Ruhrgebiet erstmalig 1999 auf dem Gelände der ehem. Zeche Zollverein in Essen-Katernberg gefunden. 2002 erfolge ein weiterer Nachweis am Rhein-Herne-Kanal in Gelsenkirchen (vgl. Goos et al. 2003). Mit dem hier aufgeführten aktuellen Fundpunkt aus Oberhausen sind nunmehr drei spontane Vorkommen aus dem Ruhrgebiet bekannt geworden. Alle drei entstammen vermutlich Gartenabfällen.
Die Pflanze wird im östlichen Mittelmeergebiet, insbesondere in der Türkei als Gewürzpflanze verwendet. Über den Gebrauch in Deutschland ist bislang wenig bekannt geworden. Es ist jedoch naheliegend, dass sie gelegentlich auch hier von türkischstämmigen Mitbürgern kultiviert wird. Für weitere Hinweise zu dieser Pflanzenart wären wir dankbar. („Fundortmitteilungen“)
Literatur:
Goos, U., Hentsch, M. Keil, P. & Loos, G.H. (2003): Zwei Vorkommen von Trachystemon orientalis (L.) G. Don fil. im Ruhrgebiet – Flor.-Rundbr. (Bochum) 36 (1/2): 63-67.





Orientalische Zackenschote

Bunias orientalis

Die Orientalische Zackenschote (Bunias orientalis) ist ursprünglich – wie der Name bereits verrät – im kontinentalen Europa bis in den vorderasiatischen Raum verbreitet. Durch den intensiven Handel wurde sie unbeabsichtigt weit verschleppt. Aus dem Rheinland liegt der Erstnachweis aus dem Jahr 1907 von Hans Höppner bereits fast 100 Jahre zurück. Im westlichen Ruhrgebiet finden sich heute große Bestände insbesondere entlang der Böschungen des Rhein-Herne-Kanals – siehe Foto vom Abschnitt im Oberhausen – und entlang der Bundesautobahn A42.

Bunias orientalis

Bubikopf

Soleirolia soleirolii

Die beliebte Zimmerpflanze Soleirolia soleirolii (Bubikopf) zählt wohl zu den unauffälligsten und ungewöhnlichsten verwilderten Zierpflanzen im westlichen Ruhrgebiet. Bei genauerer Bertachtung finden sich z. T. großflächige Vorkommen dieser Urticaceae (Brennesselgewächse) in beschatteten Vorgärten ältere Siedlungen. Offensichtlich reichen kleine, abgebrochene Sprossstücke von Pflanzen, die entweder auf der Fensterbank oder auf dem Balkon stehen, um solche Kolonien zu begründen. Hat sich Soleirolia soleirolii erst einmal im Vorgarten etabliert, scheint die Pflanze sogar recht konkurrenzstark, zumindest gegenüber konkurrierende Lebermoosarten (insbesonde Lunularia cruciata - Mondbechermoos) und den übrigen Gräsern der Kurzschnittrasen zu sein. Dabei nutzt ihr auch ihre relative Kleinheit, um so ungeschadet unter der Schneide des Rasenmähers die regelmäßige Pflege zu überstehen. Das hier im Bild gezeigte Vorkommen befindet sich in Mülheim, in Innenstadtnähe.
Literatur zum Thema:
Adolphi, K. & H. Sumser (1991): Funde von Soleirolia soleirolii (Req.) Dandy in Deutschland.- Floristische Rundbriefe: 20-22.

Soleirolia soleirolii

Letzte Änderung am Dienstag, 21. März 2017 um 10:07:05 Uhr.

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