Pflanzen als Klimazeiger

Pflanzen als Klimazeiger

Der Zeitpunkt des Auftretens natürlicher Erscheinungen, wie etwa bei Pflanzen der Blattaustrieb, Blüte oder Fruchtreife, bietet eine gute regionale und zeitliche Vergleichbarkeit und gibt damit auch Hinweise auf eine Veränderung der lokalen klimatischen Situation.

Schneeglöckchen

Galanthus nivalis

Galanthus nivalis*
Das Schneeglöckchen ist eine der ersten bei uns blühenden Pflanzen, die man meist schon ab Januar an Gebüschrändern, Parks oder auf Friedhöfen findet. Es gehört zu den Amaryllisgewächsen, seine dunkelgrünen Blätter sind länglich-schmal und seine weißlichen nickenden Blüten unverwechselbar. Sie bestehen aus zwei dreizähligen Kronblattkränzen, wobei der innere zu einer Röhre verwachsen ist und grüne Zeichnungen aufweist. Die Samen haben stärkehaltige Anhängsel, die gerne von Ameisen verschleppt und so verbreitet werden. Häufiger ist jedoch die für vegetative Vermehrung durch unterirdische Zwiebeln, die als Überwinterungsorgan dienen. Schneeglöckchen wachsen meist in größeren Gruppen und können stellenweise ganze Flächen bedecken. Im Ruhrgebiet ist das Schneeglöckchen nicht heimisch, sondern als Neubürger eingebürgert.

Scharbockskraut

Ranunculus ficaria

Ranunculus ficaria
Das auffällige gelb blühende Hahnenfußgewächs gehört ebenfalls zu den typischen Frühjahrsblühern. Man kann es etwa ab März in Hecken, Gebüschen oder Wäldern vor der Belaubung der Bäume und Sträucher entdecken. Die Zahl seiner Blütenblätter ist genetisch nicht festgelegt – meist sind es zwischen 5 und 9. Dies ist ein sehr urtümliches Merkmal in der Botanik, denn bei den meisten höher entwickelten Blütenpflanzen ist diese Anzahl immer gleich. Das Scharbockskraut wird ca. 10-20 cm hoch, die Bestäubung erfolgt durch früh fliegende Insekten, die Samenverbreitung über Ameisen. Aber auch vegetative Vermehrung durch unterirdische Brutknöllchen ist stets vertreten.

Buschwindröschen

Anemone nemorosa

Anemone nemorosa
Das Buschwindröschen ist eigentlich unverkennbar. Es blüht ab März in naturnahen Wäldern, noch bevor sich die Bäume belauben. An einem optimalen Standort wächst es flächendeckend und bildet so einen Teppich aus weißen Blüten auf dem Waldboden.
Das Hahnenfußgewächs bildet meist nur eine weiß bis rosafarbene Blüte pro Pflanze, die 6 oder mehr Blütenblätter aufweist. Die Blätter sind handförmig geteilt. Bestäubt wird das Buschwindröschen durch verschiedene frühe Insekten. Die Samen werden durch Ameisen verbreitet, die Pflanze zeigt aber als Frühjahrsgeophyt typischerweise auch starke vegetative Vermehrung. Im westlichen Ruhrgebiet ist die Art mangels naturnaher Wälder nicht mehr allzu häufig.

Schlüsselblume

Primula elatior

Primula elatior*
Die Schlüsselblume oder Primel ist Gärtnern gut bekannt. Es gibt viele Zuchtformen mit verschiedensten Blütenfarben. Gemeint ist hier allerdings die sehr selten gewordene ursprüngliche Form, die in naturnahen, gut ausgeprägten Auen- und Bruchwäldern, sowie Feuchtwiesen vorkommt. Die Laubblätter bilden eine grundständige Rosette. Die hellgelben Blüten erscheinen ab März. Sie sind am Grund zu einer Röhre verwachsen und tragen ein dunkel gefärbtes Mal. An diese Blütenform angepasst sind Insekten mit langem Rüssel wie Bienen.

Wiesen-Schaumkraut

Cardamine pratensis

Cardamine pratensis
Ab April findet man vorwiegend in leicht feuchten, nicht zu nährstoffreichen Wiesen die weißen bis rosafarbenen Blüten dieses Kreuzblütengewächses. Sie bestehen aus 4 Kronblättern, die Stängelblätter sind gestielt und mehrfach unpaarig gefiedert. Die Bestäubung erfolgt durch verschiedene Insektenarten. Die Art ist außerdem Nahrungspflanze des Aurorafalters. Zwar ist das Wiesen-Schaumkraut derzeit noch häufig, aber durch übermäßige Düngung der Wiesen stellenweise im Rückgang. in manchen Bundesländern ist es daher mittlerweile auf der Roten Liste verzeichnet. Der Name stammt wahrscheinlich durch das schaumartige Gelege der Schaumzirkade, welches häufig an den Pflanzen zu finden ist.

Sumpf-Dotterblume

Caltha palustris

Caltha palustris*
Das etwa ab April gelbblühende Hahnenfußgewächs mit den rundlichen, ganzrandigen Laubblättern, die einen Durchmesser bis zu 15 cm erreichen können, mag es feucht. Es wächst in Feuchtwiesen, feuchten Wäldern oder in Bachauen, dabei steht es manchmal sogar ganz im Wasser. Die Sumpfdotterblume wird durch viele Insektenarten, aber auch durch Regen bestäubt. Auch diese Art ist im Ruhrgebiet und Umgebung relativ selten geworden, da viele ehemalige Feuchtwiesen und feuchte Wälder trockengelegt wurden.

Dänisches Löffelkraut

Cochlearia danica

Cochlearia danica
Ebenfall im April blüht das Dänische Löffelkraut. Diese sehr salztolerante Pflanze stammt ursprüngliche von Salzwiesen an den Küsten. Bei uns hat es sich – vermutlich durch Streusalz begünstigt – entlang von Autobahnen ausgebreitet, vor einigen Jahren noch zeichnete das Verbreitungsbild streng die Autobahnen nach, heute ist es auch an weiteren Straßenrändern vertreten. Die Art nutzt die lichtreiche Phase, bevor konkurrierende Pflanzen emporwachsen. Nach der Samenbildung im Frühsommer verschwindet die Pflanze komplett. Das Kreuzblütengewächs trägt einen Blütenstand aus vielen Blüten mit 4 weißen Kronblättern. Seine Blätter sind rundlich wie ein Löffel, dabei aber auch teilweise leicht gelappt.

Scharfer Hahnenfuß

Ranunculus acris
Der Scharfe Hahnenfuß kann bis zu 1m hoch werden. Man unterscheidet ihn anhand der Blätter vom ebenfalls häufigen Kriechenden Hahnenfuß. Beim Scharfen Hahnenfuß ist der mittlere Teil der handförmig gefiederten Blätter ungestielt. Typische Standorte sind mäßig nährstoffreiche Fettwiesen, auf denen die gelben Blüten ab Mai den ganzen Sommer lang bis in den Herbst hinein zu sehen sind und an einem geeigneten Standort die ganze Wiese leuchtend gelb färben können.

Maiglöckchen

Convallaria majalis*
Die Pflanze aus der Familie der Mäusedorngewächse erreicht eine Wuchshöhe bis 25 cm. Dem Namen nach erscheint ab Mai der auffallende Blütenstand aus weißen, glöckchenförmigen, einseitswendig traubigen Blüten.
Die breiten Blätter sind streifennervig und können im nichtblühenden Zustand leicht mit denen vom Bärlauch verwechselt werden. Dabei ist das Maiglöckchen stark giftig.
Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, hauptsächlich Bienen. Heimisch ist das Maiglöckchen in Laubwäldern, aber aufgrund der Attraktivität wird es in Gärten und Parks angepflanzt, von wo aus es auch verwildert.

Bärlauch

Alium ursinum*
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Bärlauch ist eine kalkliebende Pflanze, welche in frischen bis leicht feuchten Laubwäldern und Auenwäldern vorkommt. Es ist jedoch an vielen Stellen im Ruhrgebiet durch die Veränderung oder Zerstörung der Wälder, sowie durch das – verbotene – Sammeln verschwunden. Bärlauch ist zwar eine alte Heil- und Nahrungspflanze, erfreut sich aber seit mehreren Jahren wieder großer Beliebtheit als Knoblauchersatz, da es als Lauchgewächs dieselben Inhaltsstoffe wie Knoblauch oder Zwiebel aufweist. Die ebenfalls attraktive Pflanze wird daher vielerorts im Garten kultiviert und verwildert von dort aus. Der Blütenstand besteht aus 5-zähligen weißen Einzelblüten, die zu einem lockeren, kugelförmigen Blütenstand zusammengefasst sind.

Ökologie frühblühender Pflanzen

Viele von ihnen gehören zu der Lebensform der Geophyten, also Pflanzen, die mittels unterirdischer Speicherorgane überwintern. Dies ermöglicht schnelles Wachstum im Winter oder Frühjahr und ist oft mit starker Tendenz zur vegetativen Vermehrung verbunden. Daher breiten sich Schneeglöckchen, Bärlauch oder Maiglöckchen auch im Garten meist innerhalb weniger Jahre aus.
Aber auch die Blüte ist an den frühen Zeitpunkt angepasst. Bestäuber sind Insekten, die zeitig im Jahr auf Nektar- und Pollensuche sind. Dabei sind die Pflanzen kaum auf eine bestimmte Art spezialisiert. So nutzen die Frühblüher ebenfalls eine Konkurrenzfreiheit hinsichtlich der Bestäuber. Die Verbreitung der Samen erfolgt oft durch Ameisen.

Da Frühblüher auch gerade wegen ihrer frühen Blüte als Kulturpflanzen äußerst beliebt sind, ist nicht immer leicht zu entscheiden, ob es sich bei einem Fundort um ein ursprüngliches Vorkommen handelt oder ob die Art durch Kulturflucht oder Gartenmüll dorthin gelangte. Dies ist jedoch von Interesse, wenn es um die naturschutzfachliche Bewertung eines Standortes geht. Weiterhin kann, wenn es sich um gezüchtetes oder gebietsfremdes Pflanzenmaterial handelt, der Blühzeitpunkt von den heimischen Individuen abweichen.
Falls sich bei einem Fund Zweifel an der Herkunft ergeben, ist dies bitte bei der Fundmeldung mit anzugeben. Einige der aufgeführten Arten sind zwar derzeit noch am entsprechenden Standort vertreten, jedoch insgesamt mehr oder weniger stark im Rückgang, sodass Kulturflüchter diesen Eindruck verfälschen können.

Letzte Änderung am Dienstag, 21. März 2017 um 10:06:42 Uhr.

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