Ruhrbogen im Städtedreieck

geplantes NSG Ruhrbogen

Städtedreieck

Im Städtedreieck von Duisburg, Oberhausen und Mülheim an der Ruhr befindet sich der Styrumer Ruhrbogen. Auf Mülheimer Stadtgebiet stehen große Flächen unter Naturschutz, in Duisburg unter Landschaftsschutz. Überwiegend handelt es sich um beweidetes Grünland mit Flutrinnen, temporären und ausdauernden Altwässern und Blänken sowie ehemals intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen, die aber teilweise aus der Nutzung entlassen und ökologisch aufgewertet wurden. Auf Oberhausener Seite liegt die vor Jahren abgetragene Halde Alstaden, die heute einen gestalteten Gewässerkomplex enthält. Der Ruhrbogen ist sowohl aus floristischer wie auch aus faunistischer Sicht ein sehr wertvoller Lebensraum mit typischen Tier- und Pflanzenarten.

Problematisch ist der ausgesprochen hohe Besucherdruck auf das Gebiet. Obwohl es in der Duisburger und Oberhausener Ruhraue ein gutes Wegeangebot gibt, wird abseits der Wege und möglichst nah am Ufer spazieren gegangen und Hunden freier Auslauf in den Wiesenflächen gewährt. Dadurch ergeben sich Störungen der Natur. So werden die ufernahen Flächen durch Trampelpfade zerschnitten, Uferfluren durch Badende zerstört und vermüllt sowie Wasser- und Wiesenvögel durch Hunde augeschreckt bzw. am Brüten gehindert. Auch die Radweganbindung der Ruhraue zum Ruhrdeich scheint nicht unproblematisch. Um einen Kompromiss zwischen naturschutzfachlichen Angelegenheiten und der Interessenlage der Spaziergänger und Radwanderer zu erreichen, erarbeitete die BSWR ein Wege- und Besucherlenkkonzept. Einige Bereiche besäßen große Entwicklungspotentiale, würden sie vom Druck durch querfeldeinlaufende Spaziergänger und Hunde befreit. Abhilfe, insbesondere in den äußeren Flächen des Ruhrbogens, könnten Informationsarbeit sowie eine stärkere Abriegelung der bestehenden Wegeverbindungen gegenüber den Flächen bewirken. Störungen des inneren Ruhrbogens gehen in erster Linie von einer Zuwegung entlang des Schifffahrtskanals vom Schwiesenkamp her aus, da hierdurch Erholungssuchende, die im Gebiet u. a. Campen und Grillen, weit in den Ruhrbogen vordringen. Insbesondere während des Sommerhalbjahres besteht für die ansonsten störungsarmen Flächen des inneren Ruhrbogens eine starke Beeinträchtigung. Zur Lösung des Problems wurde in gemeinsamen Ortsterminen und Gesprächen mit der Ruhrfischereigenossenschaft und dem Wasserstraßen-Schifffahrtsamt Duisburg sowie der ULB der Stadt Duisburg vereinbart, anstelle des bisherigen Drehtors ein massives, verschließbares Tor zu installieren. Die nutzungsberechtigten Angler haben über eine alternative Zuwegung auch weiterhin Zutrittsmöglichkeit zu der Fläche.

11.09.2014 Uferentfesselung für den Eisvogel

Zurück zur Natur an der Ruhr

Westlicher Ruhrbogen mit Blickrichtung Nordwest

Westlicher Ruhrbogen mit Blickrichtung Nordwest. Standpunkt: N 51° 27.169, E 06° 48.515

Ein Anfang ist gemacht
Neue Vorgaben, viele Gespräche und mutige Entscheidungen sind die wesentlichen Voraussetzungen um nach einem industriell geprägten Jahrhundert, die Ruhr in Teilbereichen zu dem zurückzuführen was sie einst war, ein entfesselter Fluss. Als eine der ersten Maßnahmen mit Signalfunktion wurde im Spätsommer 2014 die Herstellung von zwei Steiluferzonen für den Eisvogel umgesetzt. Der Eisvogel gilt als einer der eindrucksvollsten Bioindikatoren für intakte Gewässer, welcher am Ruhrbogen nahezu ideale Lebensbedingungen vorfindet. Um die örtlichen Voraussetzungen zu optimieren, bietet es sich an, die bevorzugten Brutplätze des Eisvogels durch die Herstellung von Abbruchkanten an den befestigten Uferbereichen einzurichten. Im vorbildlichem Dialog wagten im September 2014 viele mutigen Akteure den ersten Schritt zur Umsetzung der behördenverbindlichen europäischen Wasser Rahmen Richt Linie (WRRL).

Hundert Jahre Industrie weichen der Natur
Angeregt vom BUND Duisburg, trafen sich im Spätsommer 2014 städte- und fachbereichsübergreifend die beteiligten Akteure vor Ort am westliche Ruhrbogen auf Duisburger Stadtgebiet. Mit dabei waren, Vertreter der Bezirksregierung Düsseldorf, die zuständige Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Duisburg (WSV), verantwortliche Experten der Städte, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen und Duisburg, der BUND Duisburg und die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet e.V. Gemeinsam und fernab von Kirchtürmen gelang dabei ein zukunftsweisender Schulterschluss. Erstmals soll nach einem Jahrhundert im Laufe der nächsten Jahre die Grundlage dafür geschaffen werden, die biologische Vielfalt und die Dynamik der Ruhr zu regenerieren.

Gut vorbereitet und mustergültig umgesetzt
Bereits zwei Wochen nach dem "großen Ortstermin", setzte der BUND Duisburg in Kooperation mit der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet und in Zusammenarbeit mit dem Wasserschifffahrtsverwaltung Duisburg-Meiderich (WSV), die erste "Entfesselung" des von der Schifffahrt ungenutzten Gewässerabschnitts um. Auf einer Länge von jeweils 20 Metern wurden an zwei ausgewählten Uferabschnitten mit Hilfe des Schwimmkrans "Lurch" (WSV) die schweren Wasserbausteinen der bestehenden Ufersicherung entfernt, so dass eine Steilkante von mindestens einem Meter Höhe entstand. Nach der maschinellen Vorleistung und dem Abtransport von ca. 300 m⊃3; Boden- und Steinmaterial durch die WSV wurden an einem Samstag Vormittag die abschließende Feinarbeiten an der Eisvogelwand, unter der Regie vom BUND und in Zusammenarbeit mit der Biologischen Station, umgesetzt. Nach einem öffentlichen Aufruf in den Medien haben sich zusätzlich noch eifrige Bürger eingefunden um diese schwere Arbeit ehrenamtlich anzugehen. Bereits während der Arbeiten konnte der Eisvogel mehrfach beobachtet werden, der sich dem Anschein nach schon einmal mit seinem neuen Refugium vertraut machen wollte.

Der Beginn einer nachhaltigen Entwicklung
Im Herbst 2014 sind abschließende Einzäunungsarbeiten in den beweideten Uferbereich geplant um die mühevoll errichteten Steilkanten vor dem Tritt des Weideviehs zu schützen. Zudem wird die natürliche Veränderung der Steilkante durch die nächsten Hochwasserereignisse der Ruhr toleriert. Die begonnenen Arbeiten beschreiben den Beginn von weiteren notwendigen Schritten um den Ruhrbogen allmählich zu einer naturnahen, dynamischen Flusslandschaft zu entwickeln. Die europäische Wasser Rahmen Richt Linie (WRRL) ist hierfür ein viel versprechendes Instrumentarium, welches zahlreiche Optionen enthält um die kulturell überformte Flusslandschaft im Ruhrgebiet ökologisch aufzuwerten. Wir als BSWR freuen uns nach diesem Erfolg versprechenden Start im Spätsommer 2014 auf die weitere Zusammenarbeit mit allen Mitwirkenden.

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Fotos: Stephan Müller

Letzte Änderung am Donnerstag, 27. April 2017 um 18:06:03 Uhr.

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