2007 Libellen von Industriebrachen

Libellen und Naturschutz von Industriebrachen


Goertzen, Diana (2007):
Libellen und Naturschutz von Industriebrachen im Ruhrgebiet. – Diplomarbeit, Fakultät für Biologie und Biotechnologie, AG Verhaltensbiologie und Didaktik der Biologie, Ruhr-Universität Bochum.

Zusammenfassung

Regelmäßig austrocknende Lache

Diana Goertzen

Das Ruhrgebiet ist eines der größten Ballungszentren Europas und wurde seit Mitte des 19. Jahrhunderts stark von der Kohle- und Stahlindustrie geprägt. In der zweiten
Hälfte des 20. Jahrhunderts mussten aber viele Industrieanlagen schließen. Heute beträgt der Flächenanteil der Industriebrachen etwa 10.000 ha. Trotz der lebensfeindlich erscheinenden Bedingungen auf Bergehalden, Kohlelagerstatten und ehemaligen Werksgeländen wurde in den letzten Jahren eine Vielzahl bemerkenswerter Pflanzen und Tiere nachgewiesen. Vor allem offene Pionierflachen, ein Mosaik verschiedener Sukzessionsstadien und nährstoffarme Verhaltnisse bieten Lebensraum fur seltene und gefährdete Arten.
Im Rahmen der vorliegenden Diplomarbeit wurden auf elf Industriebrachen die Libellenfauna sowie einige Parameter zur Charakterisierung des Lebensraumes erfasst. Dabei liesen sich 36 Libellenarten nachweisen, davon sind 29 bodenständig. Die durchschnittliche Artenzahl liegt bei 18, für etwa die Halfte gibt es auch Entwicklungsnachweise. Ischnura elegans, Sympetrum striolatum, Anax imperator, Aeshna mixta und Coenagrion puella besitzen eine Stetigkeit von mindestens 80 % und sind somit die haufigsten Arten. Fur die seltenen Arten Ischnura pumilio und Lestes barbarus konnte ein hochsignifikant haufigeres Vorkommen auf Industriebrachen im Vergleich zum Ruhrgebiet und NRW festgestellt werden. Als besonders bedeutend für hohe Artenzahlen und die Besiedlung durch seltene und stenoke Arten haben sich die hohe Strukturvielfalt der Gewässer und ihrer Vegetation, das Vorhandensein verschiedenster Sukzessionsstadien, das günstige Mikroklima und die offene Umgebung herausgestellt. Viele Arten profitieren von der haufig temporaren Wasserführung. Zudem wurden selbst vegetationslose Becken von einigen Libellenarten besiedelt, darunter sogar Sympetrum danae und S. fonscolombii.
20 Arten stehen auf der Roten Liste fur das Ruhrgebiet, für 12 konnte mindestens ein bodenständiges Vorkommen belegt werden. Insbesondere Tümpelarten und
Arten früher Sukzessionsstadien finden hier geeignete Ersatzlebensräume. Somit haben Industriebrachen auch eine große Bedeutung für den Artenschutz und die Qualität
der Lebensräume sollte durch Pflegemaßnahmen langfristig erhalten werden.

Anteil der bodenständigen Arten

Diana Goertzen

Abb. 16: Anteil der bodenständigen Arten auf den Brachen. 9 Arten sind im Durchschnitt bodenständig.

Betreuer in der BSWR: Martin Schlüpmann

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